22. April 12 | sonnenwindschreibt
Coo-ee!
Wißt ihr noch wie das klingt? Ich weiß jedenfalls schon kaum noch wie sich das Tippen auf einer Computertastertur anfühlt. Ich bin etwas schreibfaul gewesen. Wohl auch deshalb, weil ich das gewöhnliche Gefühl nicht hatte mich schriftlich mitzuteilen, was mich dann immer zwanghaft zum Computer zieht. Eigentlich ist auch nicht viel passiert und doch viel, für mich.
Nach guten und doch angenehm ausgefüllten Wochen, die ihren Höhepunkt in den zwei Wochen um Ostern hatten, bin ich nur wie auf einem Fingerschnipp: beschäftigunglos, was mir irgendwie schwerverdauerlicher im Magen liegt, was vielleicht mein Bauchunwohl sein in der vergangenen Woche erklärt. Vielleicht liegt es aber auch an meinem derzeitigen Lieblingsheißgetränk, dem Chai Latte (heiße Milch mit gesüßtem Teepulver). Milch scheint mir in Australien nicht ganz so gut zu bekommen. Entweder liegt das an den australischen Kühen oder ich bin über die Jahre leicht laktoseintolerant geworden. Well, zurück zu “beschäftigungslos”. Nicht dass ich was verbockt hätte oder so, nur wurde der Platz im Café nach Einstellen eines zweiten Kochs sehr eng. Zudem liegt unser neues “Wir-leben-wo-andere-Urlaub-machen”-Domizil sprittechnishc nicht ganz günstig am Cafe. Nun gibt es zwei Optionen: 1. Zuhause bleiben und einen auf Zweittagesstudent machen oder 2. ein neues Beschäftigungsfeld suchen. Es wird wohl Option 2. Zwar würde uns theoretisch Andreas Gehalt ausreichen, aber ich würde das auf Dauer nicht aushalten. Mir ist schon in dieser ersten Woche langweilig geworden, korrigiere: ich fühlte mich schon in der ersten Woche unausgefüllt, denn zu beschäftigten wüßte ich mich schon: Vokabeln, Grammatik und Aussprache. Aber mir lag die Theorie noch nie so gut, besonders nicht ohne Praxisanwendung. So muß ich wohl oder übel an die Wurzel meines “Magengeschwürs”: Was Neues organisieren.
Es gibt Schöneres als Beschäftigungschnorrend um die “Sheds” (=typische australische Schuppen) zu ziehen. Sicherlich könnte ich eine schöne, schriftliche Bewerbung entwerfen, doch das ist hier leider nicht so üblich, besonders nicht im Gastgewerbe. Hier geht man hin, baut sich auf und fragt so was in die Richtung wie: “ Wie siehts aus? Wir Beide?” oder schlicht: “Haste was für mich zu tun?”. Spaß beiseite: Ich hasse das! Und schrecklich eingerostet bin ich auf dem Sektor “Bewerbung” auch. Ich bin so anhänglich wie eine Laus auf dem Kinderkopf gewesen: Annähernd 13 Jahre der selbe Arbeitgeber. Für einen Australier was schlicht Ungesundes. Gut, aber wenn das zu meinem Erfahrungen gehören soll, dann muss es wohl: Popo hoch, hübsch gemacht und ran, oder wie Julie, meine “Gastmama” mal zu mir gesagt hat, nachdem drei Gäste etwas unfreundlicher zu mir gewesen waren: Stay friendly, be smart and SMILE! Hat damals geholfen. Also wenn die Sonne bei euch die nächsten Wochen heller als gewöhnlich ist: Das bin ich – auf Bewerbungstour!
Ansonsten sind wir mittendrin, irgendwo zwischen deutsch und australisch. Seit über 2 Wochen sprechen Andreas und ich fast ausschließlich nur noch Englisch miteinander. Macht es einfacher für den “Flow”, wenn man nicht immer zwischen beiden Sprachen switcht. Man muss am nächsten Tag “on the road” nicht erst wieder hereinfinden. Fernsehen geht sowieso nur auf Englisch und auch lesetechnisch müssen jetzt englischsprachige Bücher ran, wobei ich mir gestern und heute ein deutsches Buch geleistet habe, dass noch ungelesen auf meinem Kindle dümpelte und auf das ich schlicht Lust hatte. Bei DVDs schummeln wie schon mal und nehmen Untertitel dazu, allerdings nur die Englischen. Besonders die Amerikanischen sind ohne ein “Pain” (hier: Krampf). Können die nicht vernüftig sprechen? Ein sehr abartiges Englisch manchmal. Entschuldigung... ist aber wahr. Ich mache gute Fortschritte. Mein erster Impuls ist mittlerweile etwas englisch zu sagen. Wenn ich deutsch spreche mische ich öfters unbewußt beide Sprachen und manchmal erschrecke ich mich, wenn mir ein deutsches Wort nicht mehr einfällt. Die englische Sprache scheint zu beginnen einen Teil meines deutschen Sprachschatzes wegzudrücken. Aber solange da nichts rausfällt.... Denke tue aber noch auf Deutsch, glaube ich. Manchmal bin ich mir da nicht so sicher.
Nicht nur Sprachlich sind wir “deulisch” (zwischen deutsch und australisch). Wir versuchen alles von unserer derzeitigen Heimat auszuprobieren was geht. Delphine, Iron-Man, Rodeo warens schon, Country in zwei Wochen kommt noch, Football, Rugby, Cricket (alles im Stadion live), Surfen und Walewatching stehen noch auf unserer Liste. Wir haben auch überlegt uns tänzerisch wieder aufs Pakett zu begeben. Ich habe Andreas Square-Dance vorgeschlagen, weil es schön typisch australisch ist. Am Freitag haben wir auch zum ersten Mal der Freiluft-Esskultur gefrönt. Die Australier scheinen, wie die Iren sich ständig in den Pubs, sich immer draußen aufzuhalten und das viel in den unzählbaren Parks, mal mit Meerblick und mal ohne, und das am Liebsten beim Barbeque oder Piknik. Festinstallierte, öffentliche Barbeques und Tischgruppen gibts überall. Wir haben unserer Abendessen mit Blick aufs Meer verpiknikt: Cracker und Selleriestangen mit Spinat-Dip, Süßkartoffel-Feta-Salad mit Kängeruh-Streifen und Chocolate-Banana-Cake mit Weißwein und selbstgebrauten Bier. R-o-m-a-n-t-i-s-c-h!
Gestern, Samstag, wollten wir ausgehen. Fussläufig 20 Minuten bis zur Amüriermeile. Vorher haben wir beim Italiener um die Ecke haltgemacht. Nicht dass es uns nach europäischen Essen gelüstet, aber das Restaurant gehört einem Freund von Andreas seinem Arbeitskollegen und wir wollten es mal testen. Danach ist leider zum zweiten Mal an diesem Tag mein Kreislauf Amok gelaufen: Schweißausbruch, Nebel im Kopf und Herzrasen. Vielleicht der Temperaturumschwung Schuld, die nochmal Gas geben haben. Was auch immer. Wir sind umgekehrt und haben meinem Kreislauf Zeit gegeben sich wieder zubenehmen. Als wir dann allerdings nochmal starten wollten, hat sich eine blasé an meinem Fuss gemeldet. Wir mussten die Mission für gescheitert erklären. Wir haben uns dann mit der Bar an der Ecke zufrieden gegeben müssen und ich habe meine Enttäuschung versucht in einem sehr hochprozentigen Mango-Daiquiri zuertränken, den ich mir auf Grund des Preises am liebsten Verkniffen hätte. Aber was muss, dass muss.
Wer bis zu diesem Punkt hier durchgehalten hat, der hat wieder eine ganzes Stück lesen müssen und jetzt wo ich am Schreiben bin, fließt es. Ich könnte mehr. Aber damit es in den nächsten Blogs nicht langweilig wird, hebe ich mir das auf. Zudem muss ich mich jetzt dringend von dem Balkon nach drinnen verziehen und die Türen verrammeln, da ich den Death-Metal-Krach, der aus dem Skater-Park zu uns heute herübergetragen wird, kaum mehr aushalte. Aber neben Country gibt es hier jegliche Musikrichtung, eben auch die wo man meint, da singt jemand im Schmerz über zusammengedrückte Körperteile kurz vor dem Abwerfen.
Und jetzt nichts wie weg!
See-JA,
Sonnenwind/Sunwind
Wißt ihr noch wie das klingt? Ich weiß jedenfalls schon kaum noch wie sich das Tippen auf einer Computertastertur anfühlt. Ich bin etwas schreibfaul gewesen. Wohl auch deshalb, weil ich das gewöhnliche Gefühl nicht hatte mich schriftlich mitzuteilen, was mich dann immer zwanghaft zum Computer zieht. Eigentlich ist auch nicht viel passiert und doch viel, für mich.
Nach guten und doch angenehm ausgefüllten Wochen, die ihren Höhepunkt in den zwei Wochen um Ostern hatten, bin ich nur wie auf einem Fingerschnipp: beschäftigunglos, was mir irgendwie schwerverdauerlicher im Magen liegt, was vielleicht mein Bauchunwohl sein in der vergangenen Woche erklärt. Vielleicht liegt es aber auch an meinem derzeitigen Lieblingsheißgetränk, dem Chai Latte (heiße Milch mit gesüßtem Teepulver). Milch scheint mir in Australien nicht ganz so gut zu bekommen. Entweder liegt das an den australischen Kühen oder ich bin über die Jahre leicht laktoseintolerant geworden. Well, zurück zu “beschäftigungslos”. Nicht dass ich was verbockt hätte oder so, nur wurde der Platz im Café nach Einstellen eines zweiten Kochs sehr eng. Zudem liegt unser neues “Wir-leben-wo-andere-Urlaub-machen”-Domizil sprittechnishc nicht ganz günstig am Cafe. Nun gibt es zwei Optionen: 1. Zuhause bleiben und einen auf Zweittagesstudent machen oder 2. ein neues Beschäftigungsfeld suchen. Es wird wohl Option 2. Zwar würde uns theoretisch Andreas Gehalt ausreichen, aber ich würde das auf Dauer nicht aushalten. Mir ist schon in dieser ersten Woche langweilig geworden, korrigiere: ich fühlte mich schon in der ersten Woche unausgefüllt, denn zu beschäftigten wüßte ich mich schon: Vokabeln, Grammatik und Aussprache. Aber mir lag die Theorie noch nie so gut, besonders nicht ohne Praxisanwendung. So muß ich wohl oder übel an die Wurzel meines “Magengeschwürs”: Was Neues organisieren.
Es gibt Schöneres als Beschäftigungschnorrend um die “Sheds” (=typische australische Schuppen) zu ziehen. Sicherlich könnte ich eine schöne, schriftliche Bewerbung entwerfen, doch das ist hier leider nicht so üblich, besonders nicht im Gastgewerbe. Hier geht man hin, baut sich auf und fragt so was in die Richtung wie: “ Wie siehts aus? Wir Beide?” oder schlicht: “Haste was für mich zu tun?”. Spaß beiseite: Ich hasse das! Und schrecklich eingerostet bin ich auf dem Sektor “Bewerbung” auch. Ich bin so anhänglich wie eine Laus auf dem Kinderkopf gewesen: Annähernd 13 Jahre der selbe Arbeitgeber. Für einen Australier was schlicht Ungesundes. Gut, aber wenn das zu meinem Erfahrungen gehören soll, dann muss es wohl: Popo hoch, hübsch gemacht und ran, oder wie Julie, meine “Gastmama” mal zu mir gesagt hat, nachdem drei Gäste etwas unfreundlicher zu mir gewesen waren: Stay friendly, be smart and SMILE! Hat damals geholfen. Also wenn die Sonne bei euch die nächsten Wochen heller als gewöhnlich ist: Das bin ich – auf Bewerbungstour!
Ansonsten sind wir mittendrin, irgendwo zwischen deutsch und australisch. Seit über 2 Wochen sprechen Andreas und ich fast ausschließlich nur noch Englisch miteinander. Macht es einfacher für den “Flow”, wenn man nicht immer zwischen beiden Sprachen switcht. Man muss am nächsten Tag “on the road” nicht erst wieder hereinfinden. Fernsehen geht sowieso nur auf Englisch und auch lesetechnisch müssen jetzt englischsprachige Bücher ran, wobei ich mir gestern und heute ein deutsches Buch geleistet habe, dass noch ungelesen auf meinem Kindle dümpelte und auf das ich schlicht Lust hatte. Bei DVDs schummeln wie schon mal und nehmen Untertitel dazu, allerdings nur die Englischen. Besonders die Amerikanischen sind ohne ein “Pain” (hier: Krampf). Können die nicht vernüftig sprechen? Ein sehr abartiges Englisch manchmal. Entschuldigung... ist aber wahr. Ich mache gute Fortschritte. Mein erster Impuls ist mittlerweile etwas englisch zu sagen. Wenn ich deutsch spreche mische ich öfters unbewußt beide Sprachen und manchmal erschrecke ich mich, wenn mir ein deutsches Wort nicht mehr einfällt. Die englische Sprache scheint zu beginnen einen Teil meines deutschen Sprachschatzes wegzudrücken. Aber solange da nichts rausfällt.... Denke tue aber noch auf Deutsch, glaube ich. Manchmal bin ich mir da nicht so sicher.
Nicht nur Sprachlich sind wir “deulisch” (zwischen deutsch und australisch). Wir versuchen alles von unserer derzeitigen Heimat auszuprobieren was geht. Delphine, Iron-Man, Rodeo warens schon, Country in zwei Wochen kommt noch, Football, Rugby, Cricket (alles im Stadion live), Surfen und Walewatching stehen noch auf unserer Liste. Wir haben auch überlegt uns tänzerisch wieder aufs Pakett zu begeben. Ich habe Andreas Square-Dance vorgeschlagen, weil es schön typisch australisch ist. Am Freitag haben wir auch zum ersten Mal der Freiluft-Esskultur gefrönt. Die Australier scheinen, wie die Iren sich ständig in den Pubs, sich immer draußen aufzuhalten und das viel in den unzählbaren Parks, mal mit Meerblick und mal ohne, und das am Liebsten beim Barbeque oder Piknik. Festinstallierte, öffentliche Barbeques und Tischgruppen gibts überall. Wir haben unserer Abendessen mit Blick aufs Meer verpiknikt: Cracker und Selleriestangen mit Spinat-Dip, Süßkartoffel-Feta-Salad mit Kängeruh-Streifen und Chocolate-Banana-Cake mit Weißwein und selbstgebrauten Bier. R-o-m-a-n-t-i-s-c-h!
Gestern, Samstag, wollten wir ausgehen. Fussläufig 20 Minuten bis zur Amüriermeile. Vorher haben wir beim Italiener um die Ecke haltgemacht. Nicht dass es uns nach europäischen Essen gelüstet, aber das Restaurant gehört einem Freund von Andreas seinem Arbeitskollegen und wir wollten es mal testen. Danach ist leider zum zweiten Mal an diesem Tag mein Kreislauf Amok gelaufen: Schweißausbruch, Nebel im Kopf und Herzrasen. Vielleicht der Temperaturumschwung Schuld, die nochmal Gas geben haben. Was auch immer. Wir sind umgekehrt und haben meinem Kreislauf Zeit gegeben sich wieder zubenehmen. Als wir dann allerdings nochmal starten wollten, hat sich eine blasé an meinem Fuss gemeldet. Wir mussten die Mission für gescheitert erklären. Wir haben uns dann mit der Bar an der Ecke zufrieden gegeben müssen und ich habe meine Enttäuschung versucht in einem sehr hochprozentigen Mango-Daiquiri zuertränken, den ich mir auf Grund des Preises am liebsten Verkniffen hätte. Aber was muss, dass muss.
Wer bis zu diesem Punkt hier durchgehalten hat, der hat wieder eine ganzes Stück lesen müssen und jetzt wo ich am Schreiben bin, fließt es. Ich könnte mehr. Aber damit es in den nächsten Blogs nicht langweilig wird, hebe ich mir das auf. Zudem muss ich mich jetzt dringend von dem Balkon nach drinnen verziehen und die Türen verrammeln, da ich den Death-Metal-Krach, der aus dem Skater-Park zu uns heute herübergetragen wird, kaum mehr aushalte. Aber neben Country gibt es hier jegliche Musikrichtung, eben auch die wo man meint, da singt jemand im Schmerz über zusammengedrückte Körperteile kurz vor dem Abwerfen.
Und jetzt nichts wie weg!
See-JA,
Sonnenwind/Sunwind