Sonntag, 11. März 2012
Coo-ee!

Gestatten, Sorbet! Dass Australier den Hang zum Verniedlichen und Abkürzen haben ist dem Ein oder Anderen vielleicht schon bekannt, gehört zum Kodex "Easy- Going". Man trifft sich zum Barbie (Barbeque) oder hatte heute morgen ein fantastisches Brekkie (Breakfast/Frühstück). Neben ihrem Bikki (Biskuit/Keks) und ihrer Cokki (Chocolate/Schokolade) essen die Aussis (Australier) auch gerne zum guten Fleisch Veggies (Gemüse), und das recht ausgewogen. Nach dem Knock-off (Feierabend) gehört für die Männer wie in Deutschland ein Piss (Bier) dazu, die Sheilas (Frauen, meist junge) bevorzugen eine Cuppa (Cup Tea/Tasse Tee) oder machen ein Buzz bei der Freundin (Telefonat). Ihre Kinder bringen sie vormittags im Kindi (Kindergarten), tanken an der Servo (Tankstelle), lieben ihre Fridge (Kühlschrank) und ihren Esky (Escilator/Kühlbox), leben mit ihrem Millarden Mozzy (Moskito/Mücken), haben nicht weniger Mates (Kumpel, ist Jeder Wildfremde nach Ansprache her) und mögen ihre Pollys (Politicians/Politiker) genauso wenig wie die Deutschen. Zudem tragen sie auch Undies (Underwear/Unterwäsche), fahren Vee Dub (Volkswagen), gehen aufs Loo (Toilets/Toiletten) und machen sich Presszy (Presents/Geschenke) z.B. zu Chrissi (Christmas/Weihnachten).

Umso weniger verwunderlich ist es, dass Andreas neue Arbeitskollegen aus "Andreas" sofort "Andy" gemacht haben. Auch mein ungewöhnlicher und längerer Nachname ist für die Australier eine Herausforderung. So nutzte ich hier fast ausschließlich meinen angeheirateten Nachnamen und habe mir bereits Gedanken über einen "Nickname" (Spitznamen) gemacht. Ich habe zwar Einen, aber den mag ich nicht herausrücken, denn der ist ausschließlich für meinen Paps & meine Sissy reserviert. Nichtmal mein Angetrauter nennt mich bei ihm. Und das soll auch so sein! Well, das mit dem Nickname nahm diese Woche auch Fahrt auf. BiBi ein Mädel aus meinem Englischkurs schlug vor mich "Sorbet" zu nennen. Sorbet wie Eis. Hhmmmm? Unser Tutor, eine nette ältere Dame, die ursprünglich aus Simbawe stammt, definierte den Nickname dann allerdings ausgesprochen "cute" (süß) für mich: " Ein Sorbet löscht den alten Geschmack auf der Zunge und macht Platz für was schönes Neues." Ja, ich denke, dass spricht mich an. Sollte sich "Sorbet" manifestieren, wäre das in Ordnung.

An der Verwirklichungsfront ging es diese Woche auch einen Schritt nach vorne. Eine deutsche Zeitung in Australien, der ich mich als freier "Schreiber" angeboten habe, hat angefragt, ob sie einen Artikel, den ich als einen von zwei Probestücken zur Verfügung gestellt haben, von mir veröffentlichen dürfen. Aber halt!- bevor eine mögliche Begeisterungswelle in O.S. (aussisch für: Oversea & somit Deutschland) ausbricht, es ist zwar eine landesweite publizierte Zeitung, aber die Redaktion ist sehr klein und fällt somit eher in den Bereich "Volonteering", d.h. no Money! Aber hey, was bedeutet schon Geld! Die Veröffentlichung ist für mich schon Lohn genug. Und wer weiß, vielleicht ist es der Beginn von etwas Außergewöhnlichem. Mein Mann beglückwünschte mich mit dem Satz: "Ich sag dir, aus Dir wird noch was!" Man wird es sehen. Sobald es etwas Neues an der Schreiberfront gibt, natürlich hier!

Lebt eure Träume, Leute,
see ya aus Roo*-Land,
Sorbet & Sonnenwind/Sunwind


*Roo= Kängeruh




Mittwoch, 7. März 2012
Coo-ee!

Unsere siebte Woche ist nun angebrochen, obwohl es mir vom Gefühl eher länger vorkommt als kürzer. Ich denke, dass ist ein gutes Zeichen dafür, dass wir die Zeit hier und Australien an sich bewußt wahrnehmen und nicht wie in Deutschland an uns vorbeirauschen lassen. Das ist ein Grins-Poldi-Daumen wert!

Die Regelmäßigkeit in meiner Woche tut mir besser als das träge Warten auf die Dinge die da kommen mögen in der ersten 4 Wochen. Ich genieße die Zeit an der Schule sowie im Café sehr. Jeden Tag bin ich sehr bestrebt meinen Englischsprachschatz aufzustocken. Wenn es jeden Tag nur 5 Worte wären die ich behalte, wären das in einem Jahr Australien 1830 Worte zuzüglich der die ich schon in meinem Gehirn aus alten Schultagen und Urlaubsgebrauch gut in meinem Kopf verstaut habe. So sind 1830 Wörter mein Minimalziel, .´), obwohl ich natürlich gerne die tatsächliche Marke von gesamt rund 1 Millionenworte knacken möchte. Aber ich versuche mich selbst nicht so zu drillen und es als relaxte Herausfordernung zu sehen.

Am Ende meines Tages brenne ich darauf mit Mojo, mein fast eigens gewordenen australischen Hund Gassi zu gehen. Eine Zeit am Tag für mich im Laufschritt noch überschüssige Energie loszuwerden und die Gedanken baumeln zu lassen. Auf diesem Gang habe ich auch viele meiner Magic Moments. Damit sind Momente gemeint, wo ich etwas außergewöhnlich Schönes sehe, vornehmend etwas was es nicht in Deutschland gibt. Wie ein kleines Mädchen unterm Weihnachtsbaum ist es bei mir, wenn ich die bunten Regenbogenpapageien oder die weißen Kakadus durch die Straßen fliegen sehe. Mein bester Magic Moments ist bisher ununstritten immer noch der mit den Delphinen an Hells Gate.

Die australische Autowelt hat mich nun auch regelmäßig. Ich schlage mich ganz gut, möchte ich meinen, keine außergewöhnlich gefährlichen Vorkommnisse. An dieser Stelle sei bemerkt ich vermisse meinen kleinen pepperwhitenden Mini sehr, aber dennoch bin ich ganz froh, dass ich ihn nicht hier habe, zumindestens nicht im Moment. Die gute alte Bobby-Jane muss als Bordsteinopfer herhalten. So oft wie hier habe ich in Deutschland in all meiner Fahrjahren nie einen Bordstein mitgenommen. Die Bordsteine auf Parkplätze oder Zufahrten zu Solchen und Denen zu Grundstücken sind hier unbegreiflich sehr hoch und steil. Ich mutmaße, dass dies auf die Zeit der großen Geländewagen zurückgeht. Große Geländewagen gibt es hier zwar immer noch Einige, aber die Zahl der Kleinwagen von 2008 bis heute hat deulich zugenommen. Steigende Rohölpreise haben auch Australien erreicht, wobei der Sprit hier nachwievor günstiger ist als in Deutschland. Das sachte Auffahren muss ich also noch üben. Ich versuche dabei Bobby Jane nicht so zu verletzen. Tut mir ja auch weh.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Huhn. Ein Huhn hat hier noch weniger Überlebendschancen als in Deutschland. Hier wird fast nur Huhn konsumiert, was vom Preis mit rund z.B. 9$ für 800 gr. hinter Kängeruh am Günstigsten ist. Schwein, Lamm und besonders Rind sind teurer. Hinter Huhn ist aber eher Rind im Konsumgebrauch. Wer sich Dieses auf den Grill legen möchte ist mit über 20$ für ein herkömmlich Abgepacktes dabei. Schon gemein, dass was für Viele das Beste bei einem Essen ist, ein dickes saftiges Steak und ein gutes Glas Bier/Wein, läßt es was kosten. Ich entschuldige mich an dieser Stelle bei allen Vegetariern für diese ausschweifenden Erläuterungen, aber Eine vermag ich mit folgendem Abschlusssatz glücklich zumachen: Schwein meiden die Australier fast gänzlich. Der Grund für den Mythos um die glücklichen australischen Schweine hat sich mir noch nicht erschlossen. Wenn ich es herausfinde, lasse ich euch dran teilnehmen.

Und jetzt: Knock off! (Slang für " Feierabend machen")
XXOO (australische Zeichen für Küsse & Hugs - Umarmungen)
& See ya,
Sonnenwind/Sunwind.




Donnerstag, 1. März 2012
Coo-ee,

heute bin ich im großen Aussie-Land beinahe verloren gegangen. Aber ich behielt meinen Kopf an der rechten Stelle und auf üblicher Betriebstemperatur, und das sogar mit IQ!

Aber warum ging ich verloren? Well, vielleicht aus unterbewußten Übermut, der meiner Motivation des Studierens entspringt? Wie sonst kann es sein, dass ich den Bus, wohl bemerkt den Falschen, zur Universität unser wunderschönen Sonnenküste nehme? Tief in mir drin schlummert vielleicht das Gelüst zur höheren Schule? Warum nicht die Universität?

Oder vielleicht schlummert in mir nur der animalische Trieb nach Herdenschaft. Warum nicht mitgehen, wenn Andere auch gehen? Wie ein Schaf seinen Artgenossen nach. Ist ein Schaf deshalb dumm? Vielleicht, aber vielleicht einfach nur ein bisschen verträumt. Nur das kann erklären, warum man sich in einen Bus setzt und sich nach 1 Minute instinktiv hinterfragt: Sitze ich überhaupt im richtigen Bus?. Eine nahliegende Frage, wenn man bedenkt, dass man vorher nicht auf die Anzeige vorn am Bus gesehen hat.

Passiert ist passiert, nun hieß es strategisch überlegen. Und das sah wie folgt aus: Bis zur Endstadion durchfahren, um unnötigen Suchaufwand entgegenzuwirken, und sich von dem "Vieh-Transport" dort aufpicken lassen, der ursprünglich 30 Kilometer in die andere Richtung auf den Abtransport von besagten Gut wartet. Gelobt sei an dieser Stelle das Mobilephone, Internet & Navigationsgerät und mehr als gehimmelt der, der dies in einem geeigneten Gerät in Handformat vereint besitzt und ... jetzt fehlen mir eindeutig die Worte... der einen so gesmoothen Mitringträger hat.

Nach einer Viertelstunde Sightseeing an der höheren Schule des Lernens war der spontane Ausflug schließlich zu Ende. Und wie Karla Kulumna nicht ohne Bericht und entsprechendes Begleitbild, ein Beweis.

In diesem Sinne: tschüsselchen
und auf baldige Berichterstattungen,
See ya oder Hooroo - wie ich heute auch gelernt habe-
Sonnenwind/Sundwind!

P.S. Wer mag, der Blog vom 24.02. hat es jetzt auch online geschafft.